Welche Tragepositionen gibt es?
Beim Babytragen stehen verschiedene Tragepositionen zur Verfügung. Welche davon geeignet ist, hängt vom Alter und Entwicklungsstand des Kindes, von der verwendeten Babytrage oder dem Tragetuch und von der jeweiligen Tragesituation ab.
Grundsätzlich empfehlen wir eine körpernahe Trageweise, bei der das Baby der tragenden Person zugewandt ist. Für Neugeborene beginnt das Tragen vor dem Bauch. Später können – bei entsprechender Entwicklung und mit einer dafür geeigneten Tragehilfe – das Tragen auf der Hüfte und auf dem Rücken hinzukommen.
Die Tragepositionen auf einen Blick
Bauchtrage: die wichtigste Trageposition für Neugeborene und junge Babys – immer mit Blick zur tragenden Person.
Hüfttrage: ermöglicht einem älteren Baby mehr Sicht auf seine Umgebung und gleichzeitig den Rückzug zur tragenden Person.
Rückentrage: besonders bei größeren und schwereren Babys und Kindern eine praktische Trageposition.
Blick nach vorne: empfehlen wir nicht. Wir bevorzugen Hüft- oder Rückentragen, wenn das Kind mehr von seiner Umgebung sehen möchte.
Welche Trageposition ist wann geeignet?
| Trageposition | Geeignet für | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Vor dem Bauch | Neugeborene, Babys und je nach Komfort auch größere Kinder | Baby ist der tragenden Person zugewandt und kann körpernah unterstützt werden |
| Auf der Hüfte | Babys mit ausreichender Kopf- und Rumpfkontrolle | mehr Sicht auf die Umgebung bei gleichzeitigem Kontakt zur Bezugsperson |
| Auf dem Rücken | größere Babys und Kinder entsprechend Entwicklungsstand und Tragesystem | besonders praktisch bei längeren Tragezeiten und zunehmendem Gewicht |
| Vor dem Bauch mit Blick nach vorne | von uns nicht empfohlen | wir empfehlen als Alternative Hüft- oder Rückentragen |
1. Bauchtrage – das Baby schaut zu dir
Das aufrechte Tragen vor dem Bauch mit Blick zur tragenden Person ist die zentrale Trageposition für Neugeborene und junge Babys. Das Baby befindet sich nah am Körper und kann entsprechend seiner Entwicklung unterstützt werden.
Die Bauchtrage bietet:
- engen Körperkontakt zwischen Baby und Bezugsperson,
- eine gute Kontrolle von Kopfposition und Atemwegen,
- Unterstützung einer altersgerechten Anhock-Spreiz-Haltung,
- eine flächige Unterstützung des Rückens,
- eine einfache Wahrnehmung der Signale des Babys,
- eine natürliche Rückzugsmöglichkeit bei Müdigkeit oder zu vielen Reizen.
Besonders bei Neugeborenen ist wichtig, dass das Baby nicht zu tief sitzt und nicht in der Trage zusammensackt. Nase und Mund müssen jederzeit frei bleiben und das Kinn darf nicht auf die Brust absinken.
Für Neugeborene: körpernah und zugewandt
Neugeborene sollten in einer geeigneten Tragehilfe aufrecht und der tragenden Person zugewandt getragen werden. Die Trage muss zur Größe des Babys passen und Rücken, Becken, Oberschenkel sowie – solange erforderlich – Kopf und Nacken angemessen unterstützen.
2. Hüfttrage – mehr sehen und trotzdem zurückziehen
Mit zunehmender Entwicklung beginnen Babys, ihre Umgebung immer intensiver wahrzunehmen. Für neugierige Babys kann das Tragen auf der Hüfte eine interessante Alternative zur klassischen Bauchtrage sein.
Das Kind erhält einen größeren Blickwinkel und kann die Umgebung beobachten. Gleichzeitig bleibt die Bezugsperson unmittelbar erreichbar: Wird es dem Baby zu viel, kann es sich wieder zum Körper drehen und zurückziehen.
Die Hüfttrage kann interessant sein, wenn …
- dein Baby bereits eine ausreichende Kopf- und Rumpfkontrolle entwickelt hat,
- es seine Umgebung stärker beobachten möchte,
- du ihm mehr Sicht ermöglichen möchtest, ohne es nach vorne gerichtet zu tragen,
- deine Babytrage oder dein Tragetuch für die Hüfttrageweise geeignet ist.
Da das Gewicht bei der Hüfttrageweise asymmetrischer verteilt wird, empfinden manche Tragende diese Position vor allem für kürzere Tragezeiten als angenehm.
3. Rückentrage – praktisch für größere Babys und Kinder
Mit zunehmender Größe und zunehmendem Gewicht des Kindes kann das Rückentragen für die tragende Person besonders komfortabel werden. Das Kind sitzt weiterhin körpernah, während der vordere Bereich des Körpers frei bleibt.
Vorteile des Rückentragens:
- gute Möglichkeit für größere und schwerere Babys und Kinder,
- mehr Bewegungsfreiheit vor dem Körper,
- praktisch bei Spaziergängen und längeren Tragezeiten,
- das Kind kann über die Schulter der tragenden Person seine Umgebung beobachten,
- je nach Tragesystem gute Gewichtsverteilung über Rücken, Schultern und Hüfte.
Wann ein Baby auf dem Rücken getragen werden kann, lässt sich nicht allein anhand eines bestimmten Alters festlegen. Entscheidend sind der Entwicklungsstand des Kindes, die verwendete Tragehilfe und die Herstellerangaben.
Rückentragen sicher lernen
Das Aufsetzen eines Babys auf den Rücken benötigt zunächst etwas Übung. Gerade am Anfang empfiehlt es sich, die Bewegungsabläufe in einer sicheren Umgebung zu üben und bei Bedarf eine qualifizierte Trageberatung in Anspruch zu nehmen.
Warum wir das Tragen mit Blick nach vorne nicht empfehlen
Bei manchen Babytragen kann das Kind vor dem Bauch mit dem Rücken zur tragenden Person und mit Blick nach vorne positioniert werden. Diese Trageweise empfehlen wir nicht.
Ein wesentlicher Grund ist für uns die fehlende Rückzugsmöglichkeit. Ein Baby nimmt beim nach vorne gerichteten Tragen seine Umgebung unmittelbar wahr. Wird es müde oder werden die Eindrücke zu viel, kann es sich nicht einfach zum Körper seiner Bezugsperson drehen und dort Schutz vor weiteren Reizen suchen.
Warum wir darauf verzichten:
- das Baby kann sich bei zu vielen Umweltreizen schlechter zurückziehen,
- der direkte Blickkontakt zwischen Baby und tragender Person fehlt,
- feine Signale von Müdigkeit oder Unwohlsein können schwieriger wahrzunehmen sein,
- eine ergonomische Unterstützung von Becken, Oberschenkeln und Rücken kann je nach Tragesystem schwieriger umzusetzen sein,
- für neugierige Babys stehen mit Hüft- und Rückentrageweise geeignete Alternativen zur Verfügung.
Ein Baby muss nicht mit Blick nach vorne getragen werden, um seine Umwelt entdecken zu können. Mit zunehmender Entwicklung ermöglichen Hüft- und Rückentragen einen größeren Blickwinkel, ohne dass auf den engen Kontakt zur Bezugsperson verzichtet werden muss.
Unser Grundsatz: Mehr sehen? Lieber Hüfte oder Rücken.
Wird dein Baby zunehmend neugierig und möchte mehr von seiner Umgebung beobachten, empfehlen wir nicht den Wechsel zum nach vorne gerichteten Tragen. Stattdessen können – sobald Entwicklungsstand und Tragehilfe dies erlauben – Hüft- oder Rückentrageweisen eine sinnvolle Alternative sein.
Die richtige Haltung vor dem Bauch
Unabhängig vom verwendeten Tragesystem sollte eine körperzugewandte Bauchtrage eine stabile und altersgerechte Position ermöglichen.
Achte insbesondere auf:
- eine aufrechte und körpernahe Position,
- freie Nase und freien Mund,
- eine sichere Kopfposition,
- eine altersgerechte Unterstützung des Rückens,
- eine passende Sitz- bzw. Stegbreite,
- unterstützte Oberschenkel,
- frei bewegliche Unterschenkel,
- eine altersgerechte Anhock-Spreiz-Haltung.
Welche Trageposition eignet sich zum Schlafen?
Viele Babys schlafen beim Tragen ein. Besonders geeignet ist dafür eine körperzugewandte Position, in der das Baby nah an der tragenden Person sitzt und Kopf, Nacken und Rücken entsprechend dem Entwicklungsstand unterstützt werden.
Schläft dein Baby ein, solltest du die Position erneut kontrollieren. Das Gesicht muss sichtbar bleiben, Nase und Mund müssen frei sein und das Kinn darf nicht auf die Brust absinken.
Welche Position ist bei einem größeren Baby sinnvoll?
Mit zunehmendem Alter ändern sich die Bedürfnisse. Das Baby wird schwerer, entwickelt eine bessere Körperkontrolle und interessiert sich stärker für seine Umgebung.
Dann stehen – abhängig von der Tragehilfe – verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
- Bauch: weiterhin besonders körpernah und ideal für Ruhe und Nähe,
- Hüfte: mehr Sicht bei gleichzeitig guter Rückzugsmöglichkeit,
- Rücken: praktisch bei größeren und schwereren Kindern sowie längeren Wegen.
Es besteht daher kein Grund, allein wegen zunehmender Neugier des Kindes zum nach vorne gerichteten Tragen zu wechseln.
Babytrage und Tragetuch – sind dieselben Positionen möglich?
Welche Tragepositionen möglich sind, hängt von der jeweiligen Tragehilfe ab. Ein gewebtes Tragetuch bietet beispielsweise zahlreiche Bindemöglichkeiten für Bauch, Hüfte und Rücken.
Bei einer Babytrage bestimmt die Konstruktion des jeweiligen Modells, welche Positionen vorgesehen sind. Nicht jede Babytrage eignet sich für Hüft- oder Rückentragen.
Verwende deshalb ausschließlich die Tragepositionen und Einstellungen, die für deine konkrete Babytrage beziehungsweise die jeweilige Bindetechnik vorgesehen sind.
Welche Trageposition passt zu welchem Entwicklungsstand?
Neugeborene und junge Babys
Unsere Empfehlung: aufrecht vor dem Bauch und mit Blick zur tragenden Person.
Baby mit zunehmender Kopf- und Rumpfkontrolle
Mögliche Ergänzung: je nach Entwicklungsstand und Tragehilfe kann das Tragen auf der Hüfte hinzukommen.
Größeres Baby oder Kleinkind
Praktische Ergänzung: das Rückentragen kann besonders bei zunehmendem Gewicht komfortabel sein.
Neugieriges Baby, das mehr sehen möchte
Unsere Empfehlung: nicht mit Blick nach vorne tragen, sondern bei entsprechender Entwicklung Hüft- oder Rückentragen wählen.
Welche Trageposition ist die richtige? – unser Fazit
Die passende Trageposition entwickelt sich gemeinsam mit deinem Baby. Für Neugeborene und junge Babys steht das aufrechte, körperzugewandte Tragen vor dem Bauch im Mittelpunkt. Später können Hüft- und Rückentrageweisen hinzukommen.
Das Tragen vor dem Bauch mit Blick nach vorne empfehlen wir nicht. Möchte dein Baby zunehmend mehr von seiner Umgebung sehen, bieten Hüft- und Rückentrageweisen gute Alternativen, bei denen Körperkontakt und Rückzugsmöglichkeit erhalten bleiben.
Bauch = Nähe & Geborgenheit
Hüfte = mehr Rundumblick & Rückzugsmöglichkeit
Rücken = Bewegungsfreiheit & Komfort bei größeren Kindern
Blick nach vorne = von uns nicht empfohlen
das Original seit 2004 